Mönchengladbach, September 2026. Sozialräume e.V. begrüßt das gemeinsame Positionspapier „Kindeswohl in der Klimakrise – achten, schützen, gewährleisten“, das von 81 Organisationen aus Gesundheit, Kinder- und Jugendhilfe, Bildung und Zivilgesellschaft unterstützt wird. Der Verein sieht darin ein wichtiges fachliches Signal dafür, Klimaschutz, Klimaanpassung und die Lebensbedingungen von Kindern stärker zusammenzudenken.
Getragen wird das Positionspapier von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), dem Kinderschutzbund, der Bundespsychotherapeutenkammer und dem Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit. Die beteiligten Organisationen formulieren drei zentrale Forderungen: Klimaschutz konsequent umzusetzen, Klimaanpassung an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen auszurichten und deren Beteiligung sicherzustellen. Dazu gehören unter anderem Hitzeschutz in Kitas und Schulen, klimaangepasste Spiel- und Aufenthaltsorte sowie sichere und hitzegeschützte Schulwege.
Die Angaben zu den 81 unterstützenden Organisationen und den drei Kernforderungen werden auch vom Kinderschutzbund bestätigt.
„Wir möchten den beteiligten Organisationen ausdrücklich für dieses Positionspapier danken. Besonders wichtig ist für uns die deutliche Verbindung von Klimaschutz und Kindeswohl. Kinder können die klimatischen, baulichen und infrastrukturellen Bedingungen ihres Aufwachsens kaum selbst bestimmen – werden aber besonders lange mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben. Wer über Kindeswohl spricht, muss deshalb auch darüber sprechen, unter welchen klimatischen und ökologischen Bedingungen Kinder heute und zukünftig aufwachsen“, sagt Karsten Daskalakis, Vorstand von Sozialräume e.V.
Diese Perspektive entspricht einem Ansatz, den Sozialräume e.V. auch im eigenen, jetzt veröffentlichten Positionspapier „Klimaschutz als generationenübergreifende Schutzabsicherung“ verfolgt. Darin versteht der Verein Klimaschutz und Klimaereignisschutz als Bestandteile einer vorausschauenden Schutzabsicherung und formuliert ausdrücklich: „Klimaschutz ist für Sozialräume e.V. deshalb auch eine Säule zum Schutz des Kindeswohls.“
Dabei unterscheidet Sozialräume e.V. zwischen Klimaschutz, der an den Ursachen der weiteren Erderwärmung ansetzt, und Klimaereignisschutz, der Menschen und Sozialräume vor bereits eintretenden oder absehbaren Folgen wie Hitze, Starkregen, Hochwasser oder anderen Extremereignissen schützen soll. Beide Perspektiven gehören aus Sicht des Vereins zusammen.
„Für ein Kind hilft es wenig, wenn wir ausschließlich über Klimaziele in einigen Jahrzehnten sprechen, während seine Kita heute im Sommer überhitzt. Umgekehrt reichen Sonnensegel, Trinkwasser und kühlere Räume allein nicht aus, wenn die klimatischen Belastungen langfristig weiter zunehmen. Zum Schutz von Kindern brauchen wir beides: Klimaschutz und den konkreten Schutz vor den Folgen, die bereits heute spürbar sind“, so Daskalakis.
Für Sozialräume e.V. endet dieser Schutz nicht an der Tür einer Kita oder Schule. Auch Wege, Spielplätze, Grünflächen, Wohnumfeld und öffentliche Räume gehören zu den Lebens- und Erfahrungsräumen von Kindern. Fehlende Verschattung, stark aufgeheizte Flächen oder nicht ausreichend geschützte Wege können ihre Möglichkeiten für Bewegung, Spiel, Begegnung und Teilhabe einschränken.
Gerade hierin sieht der Verein eine besondere Bedeutung der kommunalen Ebene. Klimaanpassung wird für Kinder dort konkret, wo sie leben und ihren Alltag verbringen: im Quartier, auf dem Weg zur Kita oder Schule, auf Spielplätzen, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und an öffentlichen Begegnungsorten. Das Positionspapier der 81 Organisationen richtet seine Forderungen deshalb ausdrücklich auch an Kommunen und fordert, diese rechtlich und finanziell so auszustatten, dass kinder- und jugendgerechte Klimaanpassung umgesetzt werden kann.
Zugleich warnt Sozialräume e.V. davor, den erweiterten Blick auf Kindeswohl mit dem fachlichen Begriff der Kindeswohlgefährdung gleichzusetzen.
„Nicht jede überhitzte Kita, jeder unverschattete Spielplatz und jeder belastende Schulweg ist automatisch eine Kindeswohlgefährdung im fachlichen oder rechtlichen Sinne. Aber solche Bedingungen können Gesundheit, Entwicklung und Teilhabe von Kindern beeinflussen. Für eine vorausschauende Schutzabsicherung dürfen sie deshalb nicht bedeutungslos sein“, betont Daskalakis.
Diese Abgrenzung ist auch Bestandteil des eigenen Positionspapiers: Klimaschutz und Klimaereignisschutz ersetzen weder fachlichen Kinderschutz noch Schutzkonzepte oder Verfahren bei Kindeswohlgefährdungen. Sie erweitern den Blick auf die Bedingungen, unter denen Kinder gesund und geschützt aufwachsen können.
Sozialräume e.V. versteht die Veröffentlichung der 81 Organisationen deshalb auch als Bestärkung, die Verbindung von Kindeswohl, Klimaschutz, Klimaereignisschutz, Beteiligung und sozialräumlicher Gestaltung weiterzuverfolgen.
„Dass so viele Organisationen aus unterschiedlichen fachlichen Bereichen gemeinsam deutlich machen, dass Klimaschutz auch für das Kindeswohl notwendig ist, ist ein starkes Signal. Wir hoffen, dass daraus nicht nur weitere Debatten entstehen, sondern zunehmend konkrete Veränderungen in den Lebensräumen von Kindern. Denn Schutz beginnt für uns nicht erst, wenn ein Schaden eingetreten ist“, so Daskalakis abschließend.
Das Positionspapier „Klimaschutz als generationenübergreifende Schutzabsicherung“ von Sozialräume e.V. steht auf der Internetseite des Vereins zum Download zur Verfügung. Das gemeinsame Positionspapier „Kindeswohl in der Klimakrise – achten, schützen, gewährleisten“ ist ebenfalls öffentlich verfügbar.
- Positionspapier herunterladen: Klimaschutz als generationenübergreifende Schutzabsicherung →
- Das Positionspapier der 81 Organisationen →
Über Sozialräume e.V.
Sozialräume e.V. ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Verein mit Sitz in Mönchengladbach und einem Büro in Kaarst für den Rhein-Kreis Neuss. Die Arbeit verbindet unter anderem Kinderschutz und Schutzabsicherung, Bildung und Qualifizierung, Begegnung, Kinder- und Familienangebote, Umweltbildung sowie die gemeinsame Entwicklung sozialräumlicher Projekte.
Der Verein wird von Angela Meisen, Stefanie Kunz und Karsten Daskalakis als gleichberechtigtem Vorstand geleitet.
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