Warum beschäftigt sich ein sozial und pädagogisch ausgerichteter Verein mit Klimaschutz?
Weil die Folgen der Klimaveränderung längst auch Fragen von Gesundheit, Kindeswohl, Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit sind. Mit unserem neuen Positionspapier beschreiben wir, wie Sozialräume e.V. Klimaschutz und Klimaereignisschutz versteht.
Hitze in Kitas, Schulen und Wohnungen, fehlende Verschattung auf Spielplätzen und Wegen, Starkregen oder andere Extremereignisse sind nicht nur ökologische Themen. Sie können beeinflussen, wie Menschen ihren Alltag bewältigen, ob soziale Orte nutzbar bleiben und welche Möglichkeiten Kinder haben, gesund aufzuwachsen, zu spielen und an ihrem Umfeld teilzuhaben.
Für Sozialräume e.V. ergibt sich daraus ein grundlegender Gedanke:
Klimaschutz und Klimaereignisschutz sind Bestandteile vorausschauender und generationenübergreifender Schutzabsicherung.
Dabei unterscheiden wir bewusst zwischen beiden Aufgaben. Klimaschutz richtet sich auf die Ursachen der weiteren Erderwärmung. Klimaereignisschutz beschäftigt sich mit dem vorsorgenden Schutz vor bereits eintretenden oder absehbaren Folgen wie Hitze, Starkregen, Hochwasser, Sturm oder Dürre. Beides gehört für uns zusammen.
Klimaschutz und Kindeswohl
Eine besondere Rolle spielt dabei die Perspektive von Kindern.
Kinder können viele Bedingungen ihres Aufwachsens nicht selbst bestimmen. Sie entscheiden weder über die baulichen Bedingungen ihrer Kita oder Schule noch über Verschattung, Grünflächen, Verkehrswege oder langfristige infrastrukturelle Entscheidungen. Gleichzeitig werden sie besonders lange mit den Folgen heutiger Entscheidungen leben.
Deshalb formulieren wir in unserem Positionspapier:
Klimaschutz ist auch eine Säule zum Schutz des Kindeswohls.
Damit erweitern wir den fachlichen Kinderschutz nicht einfach um eine neue Form der Kindeswohlgefährdung. Nicht jede Hitzebelastung oder fehlende Verschattung ist automatisch eine Kindeswohlgefährdung im fachlichen oder rechtlichen Sinne. Klimatische und ökologische Bedingungen können aber Gesundheit, Entwicklung, Wohlbefinden und Teilhabemöglichkeiten von Kindern beeinflussen – und gehören deshalb aus unserer Sicht zu einer vorausschauenden Betrachtung ihrer Lebensbedingungen.
Der ganze Sozialraum zählt
Schutz endet für uns zudem nicht an der Tür einer Einrichtung.
Eine klimaangepasste Kita hilft nur begrenzt, wenn der Weg dorthin bei extremer Hitze kaum bewältigbar ist. Ein Abkühlort erfüllt seine Aufgabe nicht für alle, wenn er nicht barrierefrei erreichbar ist. Ein Trinkwasserangebot hilft nicht jedem Menschen, wenn es nicht zugänglich und nutzbar ist.
Deshalb verbindet das Positionspapier Klimaschutz und Klimaereignisschutz mit Sozialraum, Barrierefreiheit, sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe.
Verantwortung reicht über die Gegenwart hinaus
Unser Blick richtet sich zugleich auf kommende Generationen.
Gebäude, Verkehrswege, Grünflächen, Bäume und soziale Infrastruktur prägen Sozialräume häufig über Jahrzehnte. Generationenübergreifende Schutzabsicherung fragt deshalb auch danach, welche Lebensgrundlagen und Handlungsmöglichkeiten heutige Entscheidungen Kindern und Menschen hinterlassen, die erst in Zukunft leben werden.
Dafür verwenden wir im Positionspapier den Begriff der Enkelfähigkeit: nicht als Anspruch, heute schon zu wissen, wie zukünftige Generationen leben wollen, sondern als Prüffrage, ob wir ihnen möglichst die Voraussetzungen erhalten, ihre Zukunft selbst gestalten zu können.
Unser Positionspapier führt diese Perspektiven zusammen und formuliert daraus 15 Handlungsgrundsätze für unsere weitere Arbeit.
Denn der Grundgedanke des Papiers ist eigentlich einfach:
Schutz bedeutet für uns nicht nur, auf Gefahren zu reagieren. Schutz bedeutet auch, heute Bedingungen dafür zu schaffen, dass Menschen morgen gut leben und ihre Zukunft selbst gestalten können.
„Klimaschutz als generationenübergreifende Schutzabsicherung“ steht ab sofort in unserem Downloadbereich als PDF zur Verfügung.